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Warum Mehrwegverpackungen?
Man könnte sich fragen: Warum sollte man überhaupt auf Mehrwegverpackungen umsteigen – ist Einweg nicht günstiger und bequemer? Heute sind Einwegverpackungen für Hersteller und Verbraucher tatsächlich oft günstiger und praktischer als Mehrweglösungen. Über viele Jahrzehnte hinweg wurde die Wertschöpfungskette für Herstellung, Vertrieb und Nutzung von Einwegverpackungen kontinuierlich optimiert – mit dem einzigen Ziel, eine kostengünstige Verpackung bereitzustellen, die einmal verwendet und dann weggeworfen wird. Das Problem dabei: Dieses Kostenmodell berücksichtigt nicht die immensen externen Kosten: die Energie und Ressourcen zur Herstellung sowie die erheblichen Umweltbelastungen und Entsorgungskosten.
Während das traditionelle lineare Wirtschaftsmodell dem Prinzip „nehmen – herstellen – wegwerfen“ folgt, zielt die Kreislaufwirtschaft darauf ab, Abfall von vornherein zu vermeiden, Materialien im Kreislauf zu halten und natürliche Systeme zu regenerieren. Mehrweg unterstützt das zweite dieser Kernprinzipien direkt.
Wie Mehrweg zur Kreislaufwirtschaft beiträgt
- Verlängert die Produktlebensdauer: Wenn derselbe Gegenstand mehrfach genutzt wird (z. B. wiederbefüllbare Verpackungen, Mehrweg-Transportbehälter, geteilte Ressourcen), müssen weniger neue Produkte hergestellt werden.
- Reduziert Ressourcenabbau und Emissionen: Mehrweg senkt die Nachfrage nach Primärrohstoffen und energieintensiver Produktion, was im Vergleich zu Einwegsystemen zu erheblichen CO2-Einsparungen führt.
- Minimiert Abfall und Umweltverschmutzung: Verbleiben Produkte länger im Kreislauf, entsteht weniger Müll – das entlastet die Abfallwirtschaft und schützt die Natur.
- Ermöglicht effiziente Systeme: Mehrwegmodelle – wie Rücknahmesysteme, Refill-Stationen oder Reverse-Logistik-Kreisläufe – schaffen geschlossene, effiziente Kreisläufe, die langfristige Nachhaltigkeit sichern.
- Erschließt neue Wertschöpfungspotenziale: Dienstleistungen rund um Reinigung, Sammlung, Aufbereitung und Umverteilung eröffnen neue Chancen für Innovationen und wiederkehrende Einnahmen.
Kurz gesagt: Mehrweg ist einer der wirksamsten und skalierbarsten Wege, um von einer Wegwerfwirtschaft zu einem regenerativen Kreislaufsystem überzugehen, Materialien in Bewegung zu halten und die Umweltbelastung nachhaltig zu senken.
Die vier wichtigsten Geschäftsmodelle für Mehrweg
Als Verbraucherin oder Verbraucher kennen Sie zirkuläre Verpackungslösungen vielleicht bereits aus einem dieser vier grundlegenden Modelle: Refill zu Hause, Refill unterwegs, Rückgabe von zu Hause oder Return on the go (Rückgabe unterwegs).
Dieser Artikel konzentriert sich auf das Modell «Return on the go» – ein System, bei dem Kundinnen und Kunden Produkte in Mehrwegverpackungen erhalten und diese an ausgewiesenen Sammelstellen zurückgeben. Von dort werden die Behälter abgeholt, professionell gereinigt und wieder in Umlauf gebracht. Dieser Ansatz gewinnt rasch an Bedeutung, da Unternehmen und Konsumenten nach wirksamen Alternativen zu Einwegverpackungen suchen.
Return on the go
Das Mehrwegmodell «Return on the go» ermöglicht es Verbrauchern, gebrauchte Verpackungen bequem an Sammelstellen abzugeben – etwa an automatisierten Leergutrücknahme-Automaten oder unkomplizierten Sammelbehältern. Nach der Rücknahme wird die Verpackung gereinigt und erneut bereitgestellt, wodurch der Kreislauf geschlossen und Abfall vermieden wird. Ein solches Rückgabesystem erfordert eine enge und verlässliche Zusammenarbeit zwischen Gastronomie, Handel, Behörden und Konsumenten, um in der Praxis erfolgreich zu sein.
So funktioniert es:
- Gäste kaufen Speisen oder Getränke in Mehrwegverpackungen.
- Nach dem Verzehr wird die Verpackung an einer designierten Rücknahmestelle abgegeben.
- Die Verpackungen werden gesammelt, industriell gereinigt und für den nächsten Einsatz vorbereitet.
- Der Kreislauf beginnt von vorn – der Bedarf an Einwegmaterialien sinkt kontinuierlich.
Da der Erfolg eines Mehrwegsystems von hohen Rücklaufquoten und einer maximalen Umlaufzahl der Verpackungen abhängt, setzen viele Systeme auf finanzielle Anreize. Meist geschieht dies in Form eines Pfandbetrags, der beim Kauf erhoben und bei der Rückgabe erstattet wird. Die Auszahlung kann bar, als Gutschein für den nächsten Einkauf oder vollständig digital – beispielsweise direkt auf die Zahlungskarte – erfolgen.
Die Logistik hinter Mehrwegsystemen für unterwegs
Ein erfolgreiches Mehrwegsystem stützt sich auf eine nahtlose Logistikkette über mehrere Stufen:
- Lieferung: Saubere Mehrwegverpackungen werden an gastronomische Betriebe und Verkaufsstellen geliefert.
- Nutzung: Gäste nutzen die Verpackung für Speisen oder Getränke.
- Rücknahme: Gebrauchte Verpackungen werden an Rückgabepunkten abgegeben, gesammelt und zum Waschzentrum transportiert.
- Reinigung: Die Verpackungen werden nach strengen Hygiene- und Lebensmittelsicherheitsstandards industriell gereinigt.
- Neuverteilung: Die hygienisch einwandfreien Verpackungen kehren in den Umlauf zurück.
Herausforderungen liegen vor allem in optimierten Transportrouten, Bestandsverwaltung und fristgerechter Reinigung und Bereitstellung. Zentrale Reinigungszentren und digitales Tracking schaffen hier effiziente und wirtschaftliche Abläufe.
Design- und Materialkriterien für Mehrwegverpackungen
Gute Mehrwegverpackungen müssen Langlebigkeit, Lebensmittelsicherheit und ein positives Nutzererlebnis harmonisch vereinen. Zu den zentralen Faktoren gehören:
- Materialauswahl: Die Verpackungen müssen zahlreichen Nutzungs- und industriellen Reinigungszyklen standhalten, ohne an Qualität oder Hygiene einzubüßen.
- Design für Mehrweg: Leicht zu reinigende Oberflächen, Stapelbarkeit und ergonomische Formen erleichtern Handling und Lagerung im Gastronomiealltag.
- Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz: Gemäß europäischer PPWR-Gesetzgebung müssen Mehrwegverpackungen nicht nur Rezyklate enthalten, sondern am Ende ihres Lebenszyklus auch vollständig recycelbar sein.
- Branding und Ästhetik: Das Verpackungsdesign sollte die Markenidentität unterstreichen und gleichzeitig funktional und robust bleiben.
Weitere relevante Designaspekte für Mehrwegbecher, -schalen und -schüsseln betreffen Transport- und Lagersysteme, Zubehörteile wie passende Deckel sowie die Frage, wie sich die Materialien effizient reinigen, prüfen und wieder verteilen lassen.
Die Wirtschaftlichkeit von Mehrweg: Kosten und ROI
Die anfänglichen Investitionskosten für die Einführung eines Mehrwegsystems variieren je nach Gebietsgröße und Anwendungsbereich. Dennoch gibt es feste Kernkomponenten, die jedes System abdecken muss:
- Rücknahmestellen für die unkomplizierte Rückgabe der Mehrwegverpackungen,
- Ein Logistiksystem für die Abholung und den Transport des gebrauchten Leerguts,
- Reinigungs- und Qualitätskontrollprozesse vor der erneuten Auslieferung an die Verkaufsstellen, und
- Eine zentrale IT-Plattform zur Steuerung, Bestandsführung und Abrechnung des Pfandsystems.
In welchem Maße diese Infrastruktur geteilt und die Betriebskosten auf mehrere Beteiligte verteilt werden können, ist der entscheidende Hebel für ein rentables Geschäftsmodell.
Trotz der anfänglichen Investitionen bietet die Umstellung auf Mehrwegverpackungen handfeste finanzielle Langzeitvorteile:
- Kostenersparnis: Sinkende Ausgaben für den kontinuierlichen Nachkauf von Einwegmaterialien und spürbar geringere Abfallentsorgungsgebühren.
- Return on Investment (ROI): Mehrwegbehälter durchlaufen viele Rotationen, wodurch sich die Stückkosten über zahlreiche Verwendungszyklen amortisieren.
- Markendifferenzierung: Unternehmen und Standorte, die auf Mehrweg setzen, positionieren sich als Nachhaltigkeitspioniere und gewinnen das Vertrauen umweltbewusster Kundinnen und Kunden.
Beispiele für Mehrwegsysteme in der Praxis
Bereits heute setzen verschiedenste Akteure erfolgreiche «Return-on-the-go»-Systeme um:
- Einzelhandelsketten: Bereitstellung von Mehrwegbehältern für Frischetheken und To-go-Gerichte mit Rücknahmestationen am Eingang.
- Lieferdienste: Einsatz von Mehrwegboxen für Take-away, die an Abgabestellen zurückgebracht oder bei der nächsten Bestellung abgeholt werden.
- Getränkeanbieter und Großveranstaltungen: Einsatz von Leergutrücknahme-Automaten für Mehrwegbecher und -flaschen bei Festivals und Sportevents.
Praxiserfahrungen zeigen: Transparente Kommunikation, bequeme Rückgabeoptionen und faire Anreize sind die entscheidenden Faktoren für hohe Beteiligung und nachhaltigen Erfolg.
Eines der wegweisendsten Systeme für Mehrwegverpackungen im To-go-Bereich wurde in Aarhus, Dänemark, realisiert.
Dieses stadtweite System namens REUSEABLE umfasst rund 53 teilnehmende Betriebe, ein Netz von mindestens 25 automatisierten Rücknahmeautomaten im Stadtzentrum (rund um die Uhr zugänglich) sowie einen standardisierten Verpackungspool mit sieben verschiedenen Mehrwegbechern für Heiß- und Kaltgetränke, Schalen und Deckeln. Ergänzt wird die Infrastruktur durch ein speziell konzipiertes Reinigungszentrum zur professionellen Desinfektion der Behälter.
Ein weiteres dynamisch wachsendes Einsatzfeld für Mehrweg sind Arenen, Stadien, Festivals und Freizeitparks sowie Großevents mit hohem Gastronomieaufkommen.
In solchen geschlossenen Arealen lässt sich Mehrweg oft noch einfacher steuern als im öffentlichen Raum, erfordert aber ebenfalls eine leistungsfähige Rücknahme- und Reinigungslogistik. Bei vorausschauender Planung bringt ein Mehrwegsystem Betreibern messbare wirtschaftliche Vorteile, erfüllt ambitionierte Nachhaltigkeitsziele und stellt die Konformität mit künftigen gesetzlichen Vorgaben sicher.
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Akzeptanz und Verhalten der Verbraucher
Die aktive Mitwirkung der Konsumentinnen und Konsumenten ist die Grundvoraussetzung für das Gelingen von Mehrweginitiativen. Entscheidende Einflussfaktoren sind:
- Bequemlichkeit: Kurze Wege zu den Rückgabestellen und ein intuitiver Ablauf senken die Hemmschwelle.
- Attraktive Anreize: Pfandrückzahlungen, Treueprogramme und Vergünstigungen motivieren zur verlässlichen Rückgabe.
- Aufklärung und Transparenz: Begleitende Informationskampagnen verdeutlichen den ökologischen und wirtschaftlichen Mehrwert von Mehrweg.
Eine im Dezember 2024 durchgeführte Befragung in Aarhus zur Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem stadtweiten Mehrwegsystem ergab bemerkenswerte Ergebnisse: 84 % aller Nutzerinnen und Nutzer, die das System ausprobiert hatten, waren zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Ablauf.
Die Untersuchung verdeutlichte zudem: Personen, die das System regelmäßig nutzen, zeigen eine noch höhere Zufriedenheit als Gelegenheitsnutzer. Diese steigende Akzeptanz belegt, dass der minimale Mehraufwand der Rückgabe kein Hindernis für die erfolgreiche Etablierung darstellt, sobald die Routine verinnerlicht ist.
Ökologische Auswirkungen von Mehrwegverpackungen
Mehrwegverpackungen bieten klare Umweltvorteile gegenüber Einwegartikeln:
- Abfallreduktion: Spürbar weniger Material landet auf Deponien, in Verbrennungsanlagen oder als Müll in der Natur.
- Ressourcenschonung: Deutlich geringerer Bedarf an Primärrohstoffen und Produktionsenergie.
- Klimafußabdruck: Reduzierte Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Ökobilanzen zeigen einhellig: Bei sachgemäßer Steuerung erzielen Mehrwegsysteme messbare ökologische Vorteile und unterstützen die übergeordneten Ziele der Kreislaufwirtschaft.
Eine Studie von Eunomia aus dem Jahr 2023 belegt, dass Mehrwegbecher für Heiß- und Kaltgetränke im Vergleich zu Einweg-Pappbechern geringere Treibhausgasemissionen verursachen, sofern das System eine Rücklaufquote von mindestens 83 % und mindestens sechs Umläufe pro Becher erreicht.
Regulatorische Rahmenbedingungen und strukturelle Treiber
Der flächendeckende Erfolg von Mehrwegsystemen erfordert klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine verlässliche Infrastruktur. Ohne gezielte Vorgaben, die Einweglösungen unattraktiver machen und Mehrwegalternativen fördern, ist der Aufbau wirtschaftlich tragfähiger Rücknahmesysteme eine große Herausforderung.
Wegweisende Gesetzgebung: Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR)
Die EU übernimmt mit der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) international eine Vorreiterrolle. Dieses umfassende Gesetzespaket zielt darauf ab, Umweltbelastungen zu senken, die Kreislaufwirtschaft auszubauen und EU-weite Standards zu harmonisieren. Die Verordnung schreibt vor, dass bis 2030 alle Verpackungen recyclingfähig sein müssen, setzt strenge Abfallreduktionsziele (15 % pro Kopf bis 2040), verbietet schädliche Stoffe wie PFAS und regelt den Mindesteinsatz von Rezyklaten in Kunststoffverpackungen. Zudem müssen Gastronomiebetriebe bis 2027 das Befüllen mitgebrachter Gefäße ermöglichen und bis 2028 Mehrwegoptionen für Take-away anbieten.
Wesentliche PPWR-Vorgaben für Mehrweg im Take-away-Bereich:
- Verbindliche Quoten: Mindestens 10 % aller verzehrfertigen Take-away-Verpackungen müssen bis 2030 in Mehrwegbehältern ausgegeben werden.
- Systemanforderung: Betriebe müssen an einem etablierten, funktionierenden Mehrwegsystem teilnehmen, das eine professionelle Reinigung und Desinfektion gewährleistet.
- Refill-Option: Kundinnen und Kunden muss die Möglichkeit geboten werden, eigene Behälter für Speisen und Getränke mitzubringen.
- Gleichwertigkeit der Angebote: Mehrwegoptionen dürfen nicht zu schlechteren Bedingungen als Einwegvarianten angeboten werden.
- Sicherheit und Hygiene: Mehrwegbehälter müssen langlebig und lebensmittelrechtlich zertifiziert sein.
- Verbraucherinformation: Gäste müssen gut sichtbar über verfügbare Mehrwegoptionen und Rückgabewege informiert werden.
Wegweisende Regelungen auf kommunaler Ebene
Auch Städte und Gemeinden schaffen Fakten. Die Stadt Lissabon hat ein wegweisendes Verbot von Einweg-Plastikbechern für die Außengastronomie in beliebten Ausgehvierteln erlassen, um der Vermüllung des öffentlichen Raums entgegenzuwirken. Um den Übergang reibungslos zu gestalten, kooperiert die Stadtverwaltung mit TOMRA und dem portugiesischen Gastronomieverband AHRESP bei der Implementierung eines automatisierten Mehrwegbechersystems im Zentrum Lissabons.
Das Beispiel Lissabon verdeutlicht: Gesetzliche Vorgaben müssen durch eine leicht zugängliche, robuste Rücknahmeinfrastruktur gestützt werden, damit der Wandel von Einweg zu Mehrweg im Alltag gelingt.
Sammelinfrastruktur für Mehrwegverpackungen unterwegs
Die wesentlichen strukturellen Bausteine für ein erfolgreiches Sammelsystem sind:
- Standardisierte, gut erreichbare Rückgabepunkte.
- Digitale Lösungen zur Nachverfolgung der Mehrweggebinde und transparenten Abwicklung von Pfanderstattungen.
- Enge Partnerschaften zwischen Gastronomie, Logistikdienstleistern und Reinigungszentren.
Dieses Zusammenspiel stellt sicher, dass Mehrwegsysteme hochgradig skalierbar, kosteneffizient und für Verbraucher rundum komfortabel sind.
Fazit
Der Übergang zu Mehrwegverpackungen ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur echten Kreislaufwirtschaft. Mit innovativen Geschäftsmodellen, unterstützenden Regulierungen, durchdachtem Verpackungsdesign und einer effizienten Logistik können Organisationen Abfall vermeiden, Betriebskosten senken und die Bindung zu ihren Kundinnen und Kunden vertiefen. Das Modell «Return on the go» zeigt eindrucksvoll, wie branchenübergreifende Zusammenarbeit skalierbare und wirkungsvolle Lösungen für eine lebenswerte Zukunft schafft.