Was ist ein Pfandsystem?
Pfandsysteme (DRS), auch bekannt als Pfandrücknahmesysteme oder Pfandrückerstattungssysteme, sind eine bewährte Lösung, um dem durch Verpackungsabfälle verursachten Abfall entgegenzuwirken.
Leistungsstarke Pfandsysteme erreichen Sammelquoten von mehr als 90 %.
In der Europäischen Union wird DRS nun für viele Getränkeverpackungen zur regulatorischen Pflicht. Die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis 2029 Pfandsysteme für Getränkedosen und Kunststoffflaschen einzurichten, sofern sie keine Ausnahmegenehmigung erhalten, indem sie bis 2026 eine Sammelquote von 80 % erreichen und einen Plan zur Erreichung von 90 % bis 2029 vorlegen.

Was ist ein Pfandystem? Langfassung
In diesem ausführlichen Video erfahren Sie, wie Pfandsysteme funktionieren, wie sie finanziert werden, wie sie dazu beitragen können, die Kunststoffverschmutzung durch Verpackungsabfälle zu bekämpfen, die Recyclingquoten zu erhöhen und die Kreislauffähigkeit von recycelten Lebensmitteln zu verbessern, und vieles mehr. Pfandrücknahmesysteme werden in der Regel durch Gesetze eingeführt, die von staatlichen, regionalen oder nationalen Regierungen verabschiedet werden.
Die Menschen werden zur Abfallsammlung motiviert, wenn der gebrauchte Behälter einen wirtschaftlichen Wert hat, und das System betont auch, dass die Materialien als Ressource einen Wert für die Gesellschaft besitzen.

Wie nennt man ein Pfandsystem?
Weltweit werden diese Programme zur Förderung des Recyclings von Getränkebehältern meist als Deposit Return Scheme oder Deposit Return System (DRS) bezeichnet. In den USA wird diese Art von Gesetzgebung als „Bottle Bill“ bezeichnet. In Australien spricht man von Container Deposit Scheme (CDS). In anderen Regionen werden unterschiedliche Begriffe verwendet, zum Beispiel Beverage Container Return Scheme in Singapur oder Deposit Refund Schemes in Europa. Außerdem übersetzen Länder den Begriff in ihre jeweilige Landessprache.
Welchen Nutzen haben Pfandsysteme für die Umwelt?
Pfandsysteme tragen dazu bei, Abfälle zu reduzieren, das Recycling zu stärken, Treibhausgasemissionen zu verringern und letztendlich eine Kreislaufwirtschaft zu fördern. Der Anteil von Getränkeverpackungen am Gesamtmüll ist in Regionen mit einem Pfandsystem um 54 % geringer als in Regionen ohne ein solches System.¹ Die europäische Median-Sammelquote für PET-Kunststoffgetränkeflaschen liegt bei Pfandsystemen bei 87 %, verglichen mit 50 % bei Systemen mit haushaltsnaher Sammlung (Gelbe Tonne/Sack).² In den USA werden Pfandbehälter mit einer durchschnittlichen Quote von 67 % für das Recycling erfasst, verglichen mit 25 % bei behältern ohne Pfand,³ wobei Oregon Rückgabequoten von über 85 % erreicht.⁴
Warum brauchen wir sowohl ein System für Mülltrennung und -sammlung als auch eine Leergutrücknahme?
Diese Systeme ergänzen einander bei der Reduzierung von Abfall und Müll. Um eine echte Kreislaufwirtschaftsicherzustellen, sind Hersteller darauf angewiesen, dass die Systeme, die die Materialqualität bewahren. Zur Aufrechterhaltung der Lebensmittelsicherheit gelten für Flaschenhersteller strengere Qualitätsanforderungen in Bezug auf recycelte Materialien als für Hersteller von Teppichen oder Glasfasern. Pfandsysteme ermöglichen das Sammeln von Recyclingmaterial, das den Qualitätsanforderungen für Lebensmittelverpackungen entspricht. Das wiederum ermöglicht es den Herstellern die Vorgaben bezüglich der recycelten Materialien für neue Getränkebehälter zu erfüllen.⁵ Im April 2025 beispielsweise hatten PET-Wertstoffballen aus Post-Consumer-Abfällen, die über das kalifornische Pfandsystem (DRS) gesammelt und verarbeitet wurden, einen um 88 % höheren Wert als PET, das über die haushaltsnahe Sammlung des Bundesstaates erfasst wurde.⁶ Es gibt viele Beispiele, bei denen Pfandsysteme und Haushaltsrecycling zusammen hohe Sammelquoten erzielen, Aber es gibt keinen einzigen Fall, wo durch das Haushaltsrecycling allein eine hohe Quote erzielt wurde.⁷ Saskatchewan beispielsweise erreicht eine Sammelquote von 84 % bei Pfandbehältern und eine Quote von 66,3 % bei Verpackungs- und Papierprodukten über die haushaltsnahe Sammlung.⁸ ⁹
Welche Länder haben die besten Pfandsysteme?
Der Erfolg und die Leistung von Pfandsystemen wird in der Regel am Prozentsatz der für das Recycling zurückgegebenen, berechtigten Behälter gemessen. Deutschland erreicht heute eine Rücklaufquote für Getränkebehälter von über 98 %, und Norwegen (als Vorbild für die Gestaltung von Pfandsystemen angesehen) erreicht 92 %. Vor der Einführung ihres Pfandsystems erreichte Litauen über sein EPR-finanziertes System der haushaltsnahen Sammlung eine Recyclingquote für Getränkeverpackungen von 34 %. Nach der Einführung eines Pfands von 0,10 € stieg die Recyclingquote für Verpackungen innerhalb von zwei Jahren nahtlos auf 92 %.
Die Beteiligung von Einzelhändlern an den Pfandsystemen
Warum steigern „Return-to-Retail“-Pfandsysteme die Leistung?
Um höhere Rückgabequoten zu erreichen, sind Pfandsysteme mit einem „Return-to-Retail“-Modell von entscheidender Bedeutung – insbesondere in Kombination mit automatisierter Technologie. Neun von zehn der weltweit leistungsstärksten Pfandsysteme nutzen eine Form der Rückgabe im Einzelhandel und erreichen eine durchschnittliche Rücklaufquote von 92 %.
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Nehmen alle Einzelhändler an einem Pfandsystem teil?
Ja. Einzelhändler spielen eine entscheidende Rolle, indem sie den Verbrauchern zu Beginn des Prozesses das Pfand berechnen. Da Pfandsysteme darauf abzielen, die Einlösung des Pfandgeldes genauso einfach zu halten wie die Erhebung des Pfands, sind Einzelhändler, die Getränke verkaufen, fast immer verpflichtet, Verpackungen zurückzunehmen und das Pfand zu erstatten. Die politischen Entscheidungsträger haben kleinen Geschäften (z. B. mit weniger als 100 m²) Zugeständnisse gemacht, indem sie die Anzahl der Verpackungen, die ein Kunde pro Tag zurückgeben kann, begrenzt haben bzw. solchen Geschäften Entscheidungsfreiheit zugeben, ob sie sich für das System anmelden. In einigen Märkten wird das Return-to-Retail-Netz durch Depots ergänzt, die man optional nutzen kann, wenn man große Mengen an Pfandflaschen und Pfanddosen zum Recycling zurückgeben möchte. In Märkten, in denen Einzelhändler nicht verpflichtet sind, Behälter zurückzunehmen – wie beispielsweise in New South Wales in Australien – können Netzbetreiber Einzelhändler dafür entschädigen, Flächen auf ihren Parkplätzen für Rückgabekioske bereitzustellen.
Bekommen Einzelhändler eine Vergütung für die Annahme von Verpackungen?
Meistens ja, und die Vergütung variiert je nach Bundesstaat und Territorium – aber in einigen Fällen, wie Oregon, Deutschland und den Niederlanden ist dies nicht der Fall. Die Vergütung kann gesetzlich festgelegt sein (wie z. B. in New York) oder als Prozentsatz der nicht eingelösten Pfandbeträge angesetzt werden (z. B. 25 % in Michigan). In Europa wird die Vergütung in Form einer Handling-Gebühr in der Regel vom zentralen Betreiber des Pfandsystems so festgelegt, dass ein Anreiz für kosteneffiziente Investitionen des Einzelhändlers gesetzt wird. Beispielsweise gewähren Norwegen und andere Märkte Einzelhändlern, die komprimierende Leergutautomaten anstelle einer manuellen Rücknahme einsetzen, eine höhere Aufwandsentschädigung, da die Automatisierung die Lager- und Abhollogistik verbessert.
Die wirtschaftliche Auswirkungen von Pfandsystemen
Welche wirtschaftlichen Vorteile ergeben sich für die Gemeinden?
Eine häufige Erkenntnis ist, dass Pfandsysteme zu Nettoeinsparungen für die Kommunen führen.¹⁰ Eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab, dass ein modernisiertes Pfandsystem im Bundesstaat New York, das eine Rücklaufquote von 90 % erreicht, den Kommunen im gesamten Bundesstaat Nettoeinsparungen zwischen 39 und 109 Millionen US-Dollar einbringen würde. Obwohl die Kommunen schätzungsweise 42 Millionen US-Dollar an Materialeinnahmen verlieren würden, würde dies durch Einsparungen bei der Müllabfuhr, der Wertstoffsammlung, der Entsorgung und der Beseitigung von Abfällen in der Umwelt mehr als ausgeglichen. Neben wirtschaftlichen Einsparungen können Pfandsysteme auch Arbeitsplätze schaffen. Die New Yorker Studie aus dem Jahr 2025 ergab, dass ein erweitertes und leistungsstarkes Pfandsystem im Vergleich zu 2025 schätzungsweise 1.866 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen würde. Dazu gehören Positionen für die Wartung von Leergutautomaten im Einzelhandel, den Betrieb von Rücknahmezentren, die Abholung von Getränkebehältern und die Unterstützung anderer Recyclingaktivitäten. .¹¹
Handelt es sich bei einem Pfandsystem um eine Steuer?
Bei einem Leergutpfand in einem Pfandsystem handelt es sich nicht um eine Steuer, da es dem Verbraucher vollständig zurückerstattet wird, wenn dieser seine leere Getränkeverpackung zum Recycling zurückgibt. Um diesen Anspruch zu erfüllen, sind Hersteller, Einzelhändler, politische Entscheidungsträger und die Betreiber des Pfandsystems verpflichtet, ein gut zugängliches Netzwerk von Rücknahmestellen bereitzustellen, das die Rückgabe von Verpackungen so einfach wie möglich macht. Denn wenn die Leergutrückgabe für die Verbraucher zu umständlich ist, könnten sie den Pfand als unzulässige Steuer oder „Öko-Gebühr“ auffassen. Das dem Verbraucher beim Kauf berechnete Pfand sollte getrennt vom Getränkepreis abgerechnet und von der Mehrwertsteuer bzw. Umsatzsteuer auf das Produkt selbst befreit werden.
Was passiert mit nicht eingelöstem Pfand?
Bei leistungsstarken Systemen wird nicht eingelöstes Pfand von den herstellergeführten, gemeinnützigen zentralen Betreibern des Pfandsystems einbehalten. Dies ermöglicht insbesondere nachhaltige Reinvestitionen in die Rücknahmeinfrastruktur des Systems, die Materialverarbeitung und die Kommunikation mit den Verbrauchern.
Wie hoch sind die Anschaffungskosten der Infrastruktur für die Leergutrücknahme?
Viele Anbieter von Leergutrücknahmen arbeiten an einer effizienteren und bequemeren Rückgabe von Pfandflaschen und Pfanddosen im Vergleich zur manuellen Handhabung mit Leergutrücknahme-Automaten. Es gibt Leergutrücknahme-Automaten in verschiedenen Größen (von freistehenden Automaten mit einer Größe von nur 0,9 m² bis hin zu Wandeinbausystemen mit mehreren Kabinetten) und Leistungsmerkmalen (z. B. Anzahl der Kabinette und akzeptierte Materialien). Die Wahl des Leergutrücknahme-Automaten und seine Kosten hängen also von der Größe der Leergutstation und den Verpackungsarten des Pfandsystems ab. Rücknahmeanbieter können die Leergutrücknahme-Automaten durch Kauf, Miete oder Leasing des Geräts sowie durch Dienstleistungspakete bezahlen. In einigen Märkten wird stattdessen entsprechend der Menge der über die Automaten erhaltenen Leergutrückgaben bezahlt. Dies ermöglicht es den Anbietern, die Vorteile eines Leergutrücknahme-Automaten im Voraus zu nutzen und ihn im Laufe der Zeit abzuzahlen (bekannt als „Durchsatzleasing“). In den meisten Pfandsystemen erhalten Leergutstationen eine „Handling-Gebühr“, um den Arbeitsaufwand im Zusammenhang mit Leergutrückgaben, Platz, Verbrauchsmaterialien und Investition in die Infrastruktur für die Leergutrücknahme zu kompensieren. Kompaktierende Leergutrücknahmeautomaten können außerdem die Systemkosten senken, indem sie den Bedarf an Lagerung, Transport, Verarbeitung und Entsorgung reduzieren. Die Verdichtung reduziert das Volumen von PET-Flaschen um etwa 2,5:1 und das Volumen von Aluminiumdosen um etwa 6:1. In Norwegen trug der verstärkte Einsatz kompaktierender RVMs dazu bei, die Transportkosten um 35 % zu senken, obwohl die Rückgabequoten stiegen.
Wie geht man mit dem Risiko des Pfandbetrugs um?
Politische Entscheidungsträger oder die zentralen Betreiber des Pfandsystems berücksichtigen dieses Risiko bei der Entwicklung ihrer Systeme und nutzen Protokolle, Steuerungs- und Regelungssysteme sowie Technologien, um die Integrität des Systems weiter zu verbessern. Leistungsstarke Systeme setzen dabei auf ein mit dem Internet verbundenes Rücknahmenetzwerk, um Daten zu sammeln und zu überwachen, die zur Prüfung und Durchsetzung von Vorschriften verwendet werden können, um reaktionsschnell zu agieren und die Konformität zu gewährleisten. Leistungsstarke Systeme nutzen marktspezifische Barcodes, visuelle Pfandkennzeichnungen und elektronische Verifizierungen, um sicherzustellen, dass jeder zurückgegebene Behälter zum System gehört. Bei Behältern, die über Leergutautomaten zurückgegeben werden, stellt die Komprimierung sicher, dass sie kein zweites Mal eingelöst werden können. Manuell zurückgegebene Behälter werden in der Regel an zentrale Zählzentren geschickt, kde sie ordnungsgemäß gezählt und identifiziert werden. Rücknahmeautomaten sind hochentwickelt und können Betrugsversuche erkennen, indem sie Behälter, die nicht zum System gehören, ablehnen. An kleineren Sammelstellen werden Behälter von Hand entgegen genommen und ihre Gültigkeit wird anhand der visuellen Kennzeichnung festgestellt.
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Bewährte Praktiken für Pfandsysteme
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1 “Die Auswirkungen von Meeresmüll auf Wildtiere verstehen,” CSIRO. 2014.
2 Berechnet auf der Grundlage der Sammelquoten von Global Data, den zentralen Systemadministratoren des Pfandsystems und "PET Market in Europe: State of Play", Eunomia. 2020. Daten auf Anfrage erhältlich.
3 "Getränkemarktdatenanalyse 2015", Container Recycling Institute. 2017.
4 BottleBill.org 2019..
5 “Der Weg zu 100 % rPET-Flaschen”, Beverage Daily. 2020.
6 "RecyclingMarkets.net listet den Marktwert von PET-Ballen aus Einlagenströmen als um 58 % bis 93 % höher auf als von PET-Ballen aus Nicht-Einlagenströmen". Dies bezieht sich auf eingezahltes und nicht eingezahltes PET im Nordosten der USA. Januar-Juni 2020. Susan Collins vom Container Recycling Institute bemerkte, dass dies aufgrund der Auswirkungen von COVID-19 höher als normal sei und dass das Pfand-PET typischerweise um 40 % höher sei.
7 "PET-Markt in Europa: Stand der Dinge", Eunomia. 2020. Daten auf Anfrage erhältlich.
8 "Global Deposit Book 2020", Reloop. 2020.
9 "Jahresbericht 2019", Recycle BC. 2020.
10 "Fact Sheet: Wirtschaftliche Einsparungen für Kommunen,” Reloop. 2020.
11 “Beschäftigung und Auswirkungen von Containerlagerstätten – New York,” Eunomia. 2019.